Aus Gründen der Lesbarkeit wird im weiteren Brief nur noch das Anredepronomen „Sie“ verwendet; ihr, liebe Schüler*innen, seid selbstverständlich mit angesprochen.

Wie Sie wissen, haben wir seit Beginn der Pandemie an unserer Schule eine strikte und durchgängige „Maskenpflicht“ (Mund-Nasen-Bedeckung) befolgt, um die Gesundheit unserer Schüler*innen sowie unserer Mitarbeiter*innen auch unter den besonderen Bedingungen einer großen Gesamtschule bestmöglich zu schützen. Dafür haben wir von den Eltern, Schüler*innen und Kolleg*innen sehr viel Zuspruch erhalten. Mit der heutigen Verordnung schränkt das Schulministerium die seit Schulbeginn auch landesweit geltende Maskenpflicht an entscheidender Stelle ein: Alle Schüler*innen müssen zwar weiterhin auf dem Schulgelände und im Schulgebäude eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, können diese aber, sobald sie auf ihrem festen Sitzplatz im Unterricht Platz genommen haben, absetzen. Diese Entscheidung bereitet uns als Gesamtschule große Sorge, da sie den besonderen Bedingungen unserer Schulform nicht gerecht wird.

Da wir als Schule leider nicht mehr selbst über eine Maskenpflicht entscheiden können, haben wir einen Eilantrag an die Schulaufsicht gestellt, dass wir die seit Beginn der Pandemie geltende Regelung fortführen können und die Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht weiterhin durchgängig getragen werden muss. Die Entscheidung über diesen Antrag steht aus.

Für den Fall, dass dem Eilantrag nicht stattgegeben werden sollte, sprechen wir als Schule schon jetzt die dringende Bitte und Empfehlung aus, dass möglichst alle Schüler*innen und Kolleg*innen an der bisherigen, durchgängigen Maskenpflicht im Unterricht festhalten. Die große Mehrheit des Kollegiums und die überwältigende Mehrheit der Schüler*innenvertretung (94 % aller Klassen- und Jahrgangssprecher*innen) stehen hinter dieser Bitte und Empfehlung.

Selbstverständlich ist auch uns bewusst, welche Einschränkungen und hohen physischen Belastungen mit dem durchgängigen Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung verbunden sind, zumal an einer Ganztagsschule. Auch wir würden uns sehr freuen, den Unterricht wieder maskenfrei durchführen zu können. Aber unsere Bedenken gegen eine Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind so groß, dass wir ein Weiterbestehen der Maskenpflicht für dringend geboten, aber auch für verhältnismäßig und gut vertretbar halten.

Unsere Gründe:

- Nach übereinstimmender Auffassung nahezu aller Expert*innen weltweit gibt es mind. drei Maßnahmen, die sich für den Schutz gegen eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 als besonders wirksam erwiesen haben: das konsequente Beachten eines Mindestabstands, das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung und in geschlossenen Räumen eine gute Durchlüftung. Da in den Klassen- und Kursräumen der Mindestabstand meistens nicht eingehalten werden kann, sind die beiden anderen Maßnahmen umso wichtiger. Wenn wir nicht mehr alle durchgängig eine Maske tragen, reduzieren wir den Infektionsschutz erheblich.

- Jeden Tag besuchen ca. 1300 Personen für acht Stunden regelmäßig unsere Schule. Wenn wir in unserer Aufmerksamkeit nachlassen oder wirksame Maßnahmen wie das durchgängige Tragen einer Maske zurückfahren, besteht die erhöhte Gefahr eines „Superspreadings“ über große Teile der Schulgemeinde.

- Auf der Basis der Maskenpflicht sind wir nach den Sommerferien zu einem möglichst weitgehenden Regelbetrieb zurückgekehrt und damit auch zu unserem differenzierten Kurssystem (Deutsch, Englisch, Mathematik, WP, Technik, Hauswirtschaft, Religion etc.). Anders als an vielen anderen Schulen besuchen unsere Schüler*innen nicht nur ihre festen Klassen, sondern kommen im Unterricht immer wieder mit Schüler*innen aus anderen Klassen zusammen – je älter sie sind, desto häufiger. Zudem sind wir eine Ganztagsschule mit vielen Angeboten, in denen sich die Schüler*innen aus ganz unterschiedlichen Jahrgängen begegnen (Mensaverpflegung, Freizeittreff, Pausenangebote, Arbeitsgemeinschaften u.v.m.). Unsere 120 Lehrer*innen unterrichten jeweils quer über alle Jahrgänge. – Wenn die Schüler*innen im Unterricht keine Maske mehr tragen und eine infizierte Schüler*in oder Lehrer*in besucht den Unterricht, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, dass nicht mehr nur einzelne Schüler*innen (die unmittelbaren Sitznachbarn) oder Lehrer*innen, sondern ganze Jahrgänge oder größere Teile der Schule in eine zweiwöchige Quarantäne geschickt werden müssen. Auch ein erneuter Wechsel der ganzen Schule in den Distanzunterricht ist nicht ausgeschlossen. – Wenn nicht mehr alle Schüler*innen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen, müssen wir vor diesem Hintergrund prüfen, ob wir nicht, wie vor den Sommerferien, wieder zu einem reinen Klassenunterricht wechseln oder Lerngruppen teilen müssen oder sogar nur einzelne Jahrgänge an halben Tagen unterrichten.

- In vielen Bereichen der Schule ist die Lüftungssituation leider grenzwertig. Einige Räume mussten wir trotz Maskenpflicht schließen. In höheren Stockwerken besteht in Jahrgängen mit jüngeren Schüler*innen bei vollständig geöffneten Fenstern die Gefahr, aus dem Fenster zu stürzen. In unserem A-Turm (Oberstufenunterricht, Jahrgang 10 mit besonders großen Kursen) sind in den letzten Jahren vielfach Fenster eingebaut worden, die sich gar nicht öffnen lassen, sodass die Belüftung ausschließlich über „Oberlichter“ erfolgt. (Wir waren schon damals fassungslos, dass so etwas in NRW überhaupt an Schulen möglich ist.) Ohne das Tragen einer Maske steigt die Gefahr, sich über Aerosole zu infizieren, deutlich an.

- Aufgrund der durchgängigen Maskenpflicht sind fast alle Lehrer*innen, die aufgrund einer schweren Vorerkrankung zur sog. Risikogruppe gehören oder die zu Hause Angehörige mit entsprechenden Vorerkrankungen pflegen, nach den Sommerferien wieder in den Präsenzunterricht zurückgekehrt. Selbst Kolleg*innen mit sehr schweren Erkrankungen unterrichten derzeit an der Schule, weil sie ihrer hohen pädagogischen Verantwortung für ihre Schüler*innen gerecht werden möchten. Wenn ihr Infektionsrisiko sich durch das Ablegen der Masken im Unterricht wieder deutlich erhöht und sie auf den Rat ihrer Ärzte nicht mehr in die Schule kommen, wird das enorme Auswirkungen auf unseren Schulbetrieb haben, sodass wir den Präsenzunterricht wieder kürzen und möglicherweise ganze Jahrgänge vermehrt in den Distanzunterricht schicken müssen. Die vom Schulministerium für diesen Fall in Aussicht gestellten Vertretungsstellen werden das Problem nicht lösen, da wir als Landschule schon unter regulären Bedingungen solche Stellen häufig nicht adäquat besetzen können.

- Eine zweistellige Anzahl von Schüler*innen gehört zu den Risikopatient*innen, wieder andere leben mit Angehörigen zusammen, die entsprechende Vorerkrankungen haben. Für sie erhöht sich das Infektionsrisiko erheblich, sollten viele Schüler*innen ihre Maske im Unterricht ablegen. Wie gegenüber den Lehrer*innen mit Vorerkrankungen, so besteht auch hier ein Gebot, aus Solidarität eine Maske zu tragen, damit die Schüler*innen nicht in den Distanzunterricht wechseln müssen.

- Der größte Teil unseres Kollegiums pendelt aus allen Nachbarregionen (vom Ruhrgebiet über das Siegerland bis Köln und Umgebung). Erhöht sich in einer dieser Regionen das Infektionsgeschehen, führt auch hier die Pendlersituation zu einem höheren Infektionsrisiko

Vor diesem Hintergrund erscheint uns das durchgängige Tragen einer Maske als das „kleinere Übel“, das bei allen Nachteilen verhältnismäßig und vertretbar ist, um uns alle besser zu schützen und eine Rückkehr in den Distanzunterricht zu verhindern. Und gegenüber unseren Schüler*innen und Lehrer*innen, die selbst oder deren Angehörige sich vor einer Infektion besonders schützen müssen, ist es ein Zeichen der Solidarität, auch im Unterricht weiterhin durchgängig eine Schutzbedeckung zu tragen.

Wenn die Schulaufsicht unserer Argumentation folgt und unserem Eilantrag stattgibt, werden wir die bisherige Maskenpflicht wieder einsetzen. Falls nicht, bitten wir alle Schüler*innen sich dennoch an unsere Bitte und Empfehlung zu halten.

Wir sagen Ihnen zu, dass wir in unserem Schulbetrieb noch stärker darauf achten werden, regelmäßig „Atem- und Frischluftpausen“ für unsere Schüler*innen zu ermöglichen – z.B. indem wir auch außerhalb der regulären Pausen nach draußen gehen, auf einen deutlichen Mindestabstand achten und den Schüler*innen Gelegenheit geben, die Masken abzusetzen und gut durchzuatmen. Und auch bei besonders kleinen Lerngruppen, die in großen Räumen untergebracht sind, sodass ein Mindestabstand stets gut umgesetzt werden kann, lässt sich jederzeit über ein gemeinsames Ablegen der Maske sprechen. Wir sind keine Dogmatiker, sondern Pädagog*innen.

Wir wissen, dass einzelne Eltern und einzelne Schüler*innen mit unserem Vorgehen nicht einverstanden sind. Gerade sie bitten wir um Verständnis, dass wir den Weg gehen, der aus unserer Sicht der sicherste Weg für unsere Schüler*innen und Lehrer*innen ist. Wir möchten alles tun, damit an unserer Schule niemand zu Schaden kommt.

Bleiben Sie gesund!

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Heintges, Schulleiter

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