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Jede Klasse entsendet jeweils zwei Schüler*innen (häufig die Klassensprecher*innen) ins entsprechende Stufenparlament. In den zweimal pro Schulhalbjahr stattfindenden Sitzungen bestimmen allein die Schüler*innen die Themen und diskutieren über ihre eigenen Belange. „Neben der Schaffung von Raum für altersangemessene Wünsche und Interessen steht auch die Notwendigkeit, Kompromisse zu schließen“, fügte Alican Sevim als SV-Lehrer hinzu. Durch all dies werde eine selbstverständliche demokratische Grundhaltung und Kultur an der Schule geschaffen, die als Kern einer erfolgreichen Erziehung zur Demokratie betrachtet werden könne, führte Schulleiter Johannes Heintges aus. Nur indem Schüler*innen tatsächlich Verantwortung übertragen werde, lernten sie nachhaltig, diese Verantwortung auch in demokratischen Strukturen zu übernehmen. Heintges ist überzeugt: „Wenn Schülerinnen und Schüler sich engagieren und bestimmte Anliegen durchsetzen, müssen Lehrerinnen und Lehrer ihre Macht abgeben.“

Hervorzuheben ist, dass es sich bei den nun etablierten Parlamenten um einen weiteren Meilenstein im längerfristig angelegten Demokratisierungsprozess zugunsten der Schüler*innen handelt. Der Schülerrat als festgeschriebenes Gremium neben Lehrer- und Schulkonferenz wird auf diesem Wege ergänzt und damit in seinen Entscheidungs- und Organisationsroutinen gestärkt. So seien die Schülerratssitzungen erfahrungsgemäß nicht der Ort, an dem jüngere Schüler*innen ihre Interessen vorbrächten. Zudem erhielten bestimmte Anliegen wegen der vielen obligatorischen Tagesordnungspunkte nicht die gewünschte Aufmerksamkeit, fasste Heintges die Erfahrungen mit den bisherigen SV-Strukturen zusammen.

 

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Eine erste Intensivierung der demokratischen Schulkultur wurde durch die eingeführte Direktwahl der Schülersprecher*in erreicht, bei der ein Wahlkampf mit Plakaten und Podiumsdiskussionen selbstverständlich dazugehört. Hinzu kommt, dass in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 bereits mit großem Erfolg die im Stundenplan fest integrierte sog. „Demokratie-lernen-Stunde“ stattfinden. Einmal in der Woche tagt in dieser Stunde auch der Klassenrat. „Der Klassenrat ist ein Instrument, um Demokratie zu leben und zu lernen“, erklärte Anne Reiche, Didaktisch Leiterin der GSKi. Hier lerne jede Schüler*in u.a. eigene Anliegen zu erkennen und sich für diese einzusetzen. Die bereits im Klassenrat diskutierten Belange können von den Gesandten der einzelnen Klassen ins jeweilige Stufenparlament eingebracht werden. Als letztes Bindeglied zwischen Stufenparlamenten und Schülerrat ist auch die Gründung eines Schüler*innen-Parlaments geplant.

In einer Zeit, in der die Effektivität (zuweilen sogar die Legitimität) von demokratischen Diskussions- und Entscheidungsprozessen verstärkt angezweifelt wird, ist eine Demokratie-Erziehung umso wichtiger. Indem Schüler*innen sich über längere Zeit für eine Sache einsetzen, innerhalb reglementierter Kommunikationssituationen Argumente austauschen und Überzeugungsarbeit leisten, lernen sie nicht nur, eine Meinung zu haben und damit auch Gegenmeinungen zu tolerieren, sondern ebenfalls, wie anstrengend, aber zugleich auch wirkmächtig, demokratische Strukturen sein können. Schulleiter Johannes Heintges zeigte sich überzeugt, dass solche Erlebnisse als positive, urdemokratische Einstellungen und Überzeugungen in Erinnerung blieben und Reflexionsprozesse bei den Schüler*innen an stießen, die sie aufmerksamer für das weltweite politische Geschehen machten.

(T. Voßen)

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