Für viele Schüler und Schülerinnen war das Haus am Bordinghauser Weg 65 in den siebziger und achtziger Jahren eine Stätte der Begegnung, des Dialogs und ein Ort der Zuflucht. Hier fanden sie Gehör, hier konnten sie über Politik, Musik, Literatur und Theater diskutieren, hier wurden sie gehört und hier konnten sie über Probleme und Konflikte im Elternhaus und in der Schule offen sprechen. Es war das Haus von Ursel und Matthias Weißert und ihrer vier Kinder. Das ist lange her, doch einer ganzen Generation von Schülern und Schülerinnen und von Kollegen und Kolleginnen der Gesamtschule Kierspe bleiben „die Weißerts“ in lebhafter Erinnerung.

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Von 1970 bis 1988 lebten Ursel und Matthias Weißert in Kierspe und beide unterrichteten an der Gesamtschule. Matthias die Fächer Deutsch und Geschichte. Er war Didaktischer Leiter und machte in vielfältigster Weise Theater. Matthias war ein ungemein kreativer, impulsiver Mensch, der vor Ideen nur so sprühte. Er war aber auch ein sehr guter Pädagoge, wusste um die Stärken, Schwächen und Nöte von jungen Menschen und er war ihnen ein Begleiter. Er konnte verständnisvoll und einfühlsam sein, er war aber auch ein Vulkan. Er war nie nachtragend, Konflikte, Spannungen gehörten für ihn zum Leben, die mussten ausgetragen, aber auch gelöst werden. Dann war es aber auch gut.

 

 

 

 

 

 

 Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen,
Und jedermann erwartet sich ein Fest.

(Zitat aus Goethes Faust von Matthias selbst zitiert)

Theater, das war seine Welt, hier blühte er auf. In jedem Schuljahr hat er zwei große Theateraufführungen mit seiner Mannschaft produziert, eins im Herbst in der Projektwoche und das andere gegen Ende des Schuljahres mit der Theater-AG. Es waren tolle Aufführungen, das Bühnenbild, die Musik und die Kostüme, alles stimmte. Siebzig bis achtzig Schüler und Schülerinnen, manchmal auch mehr, waren daran beteiligt und diese meistens aus den Jahrgängen 5 bis 13. Für Matthias war Theater auch eine Form von Therapie und ein Weg der Befreiung. Er hat schwierigen Schülern und Schülerinnen wichtige Rollen anvertraut und danach waren sie verändert, selbstbewusster und freier. Was er mit den Kollegen und Kolleginnen in diesen Wochen von den Schülern und Schülerinnen gefordert, aus ihnen herausgeholt hat, das war bewundernswert. Viele Stücke, die er alle selbst geschrieben, oder zumindest umgeschrieben hat, sind bei Theaterverlagen erschienen und werden heute an Bühnen in ganz Deutschland gespielt. Einige Schüler und Schülerinnen sind den Weg des Schauspielens weiter gegangen, sie spielten im Schauspielhaus in Düsseldorf, waren im Fernsehen zu sehen und produzieren heute Dokumentarfilme. Andere Schüler haben sich der Literatur zugewandt und sind oder waren Schriftsteller.

 

Als Didaktischer Leiter hat Matthias dafür gekämpft, dass Gesamtschule eine andere, eine reformorientierte Schule wurde. Er hat viele neue pädagogische Konzepte initiiert und dafür konnte er heftig kämpfen. Sein impulsives Auftreten in Konferenzen ist unvergesslich.

Matthias war ein politisch denkender und handelnder Mensch, er kämpfte für die Demokratie und für eine sozial gerechtere Welt. Die Aufarbeitung des Faschismus war ihm ein wichtiges Anliegen. Entsprechend vielfältig und interessant konzipierte er seinen Unterricht.

Als Matthias 1988 zum Schulleiter an die Gesamtschule Fröndenberg berufen wurde und die „Weißerts“ Kierspe verließen, hinterließen Ursel und Matthias eine riesige Lücke. Das Theater ist bis heute eine Institution an der Gesamtschule geblieben, Schüler von ihm führen es heute als Lehrer weiter. Das und vieles mehr, was bis heute an der Schule weitergeführt wird, verdanken wir den „Weißerts“. In diesen Tagen gelten der Dank und die Anerkennung ganz besonders dem verstorbenen Kollegen Matthias Weißert.

Danke für alles, Matthias!

Johannes Koch, Rolf Muck

 

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