Geschichte

Die Gründung der GsKi

„Eine Schule für alle“ – die Gesamtschule kommt nach Kierspe

Die Gründung der Kiersper Gesamtschule fällt in eine turbulente politische Zeit. Die berühmte 68er Generation ist dabei, das gesamte Land zu verändern und hat einen starken Einfluss auf die Bildungspolitik. „Die Schule der Nation ist die Schule“, formulierte Willy Brandt in seiner Regierungserklärung 1969. Unabhängig von der Herkunft, so der Anspruch der damaligen SPD-Regierung, sollte allen Bürgern die gleiche Chance auf Bildung eingeräumt werden.

Ende der 60er Jahre war Kierspe noch eine Gemeinde und verfügte im Bereich der weiterführenden Schulen nur über eine Hauptschule. Kiersper Schülerinnen und Schüler, die weiterführende Abschlüsse anstrebten, mussten Realschulen und Gymnasien der Nachbarstädte besuchen.

Als Antwort auf die Bedürfnisse im Bildungsbereich erschien die Gründung einer Gesamtschule den damals verantwortlichen Kommunalpolitikern folgerichtig. Nicht nur die Sekundarstufe mit den integrierten Bildungsgängen von Haupt- und Realschule, sowie dem gymnasialen Zweig in den Erweiterungskursen, sondern auch die später angeschlossene gymnasiale Oberstufe, machten die Kiersper Gesamtschule zu einem Erfolgsmodell. Im März 1969 entschieden sich 94,2 % aller Eltern der 4. und 5. Jahrgänge, ihre Kinder bei der Gesamtschule anzumelden.

Kierspe wird zur Stadt und bekommt die größte weiterführende Schule im Märkischen Kreis

Dass der Rat der Gemeinde Kierspe am 14.12.1967 einstimmig die Einrichtung einer Gesamtschule beschloss, fand in den Folgejahren bundesweite Beachtung. Die Kiersper Gesamtschule gehörte zu den ersten vier Gesamtschulen und wurde zu einer Pilgerstätte und Ideenbörse für alle, die neugierig auf dieses neue Konzept waren. Die Gründung von Gesamtschulen gerade im ländlichen Raum orientierte sich oft am Kiersper Beispiel. Was vor fast 50 Jahren als Versuchsprojekt gestartet ist und vor allem in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts im Rahmen des sogenannten „Schulkampfes“ stark umstritten war, hat sich heute längst etabliert.

Die angestrebte Chancengleichheit für Schülerinnen und Schüler war Kerngedanke des Gesamtschulkonzeptes. Bildung sollte nicht länger vom sozialen Status des Elternhauses abhängig sein. Daraus folgte eine Individualisierung des Lernens, welche auch in einem umfangreichen Kursangebot mündete. Die Chancengleichheit herzustellen ist auch nach fast einem halben Jahrhundert noch das wichtigste Ziel der Kiersper Gesamtschule.

Eine enge Verknüpfung von Schul- und Stadtgeschichte deutete sich bereits im Jahre 1969 an. Kierspe bekam die Bezeichnung „Stadt“ verliehen und die Gesamtschule nahm ihre Arbeit auf.

Vorsicht Baustelle! 40 Millionen für die Bildung

Fast symbolisch mutete der Schulbetrieb in den ersten sechs Jahren an. Die Kiersper Gesamtschule war vor allem eins: Baustelle! Während neben den fertiggestellten B- und C-Türmen und in Pavillons im Bereich des heutigen Hallenbades Räukepütt unterrichtet wurde, war die Großbaustelle Gesamtschule in vollem Betrieb. Ein junges Lehrerkollegium arbeitete mit großem Engagement und unter schwierigen Bedingungen an der Umsetzung der Gesamtschulidee. Viele kamen ins Sauerland, weil sie unbedingt an einer Gesamtschule arbeiten wollten und blieben. Es herrschte Aufbruchstimmung. Die Lehrerinnen und Lehrer waren Teil eines Schulversuchs und gestalteten diesen aktiv mit. Somit planten, bauten und gestalteten die Lehrerinnen und Lehrer Schule von innen, während nur durch eine Abdeckplane vom fertigen Schulgebäude getrennt, die Bauarbeiter den A-Trakt der Schule fertigstellten. Im Herbst  1975 wurde dieser Neubau, welcher auch der Hauptteil  der Schule ist, mit einem großen Schulfest eingeweiht. Insgesamt hatte das Schulgebäude bis dahin rund 40 Millionen DM gekostet.

4 Schulleiter und eine Schulleiterin für rund 1500 Schülerinnen und Schüler

Bis zum heutigen Tag hatte die Kiersper Gesamtschule vier Schulleiter und eine Schulleiterin:

1969 – 1972 : Georg Schulte-Fischedick

1972 – 1992: Martin Koenen

1992 – 2007: Fritz Schmid

2007 – 2012: Monika Hahn

Johannes Heintges übt seit 2012 das Amt des Schulleiters an der GSKi aus.

Gab es zu Beginn insgesamt 360 Schülerinnen und Schüler, besuchen heute etwa 1500 Schülerinnen und Schüler die Kiersper Gesamtschule. Die höchste Anzahl an Schülerinnen und Schülern hatte die  Schule  1978, in dem Jahr, in dem das erste Abitur vergeben wurde. Etwa  1.820  Schülerinnen und Schüler wurden damals von 130 Lehrern unterrichtet.

 

Schule als Lern- und Lebensraum

Eine bloße Lernfabrik war die Gesamtschule Kierspe nie. Wo viele Menschen die Zeit miteinander verbringen, musste diese auch gestaltet werden. Eine sehr kleine Lehrer- und Schülerbibliothek wurde schon ab Februar 1970 mit Helga Stiefelhagen als Leiterin aufgebaut, anfangs mit einem gestifteten Bestand von nur 100 Büchern. Als der Neubau 1975 in Betrieb genommen wurde, kamen die Bestände aus der Stadtbibliothek hinzu und die  vergrößerte Schulbibliothek zog in den Neubau um. Im oberen  Bereich der Bibliothek befindet sich heute die  Arbeitsbibliothek, die  nur für Schüler zugänglich ist; im unteren  Bereich liegt die Stadtbibliothek.

Auch für das leibliche Wohl wurde gesorgt. Im Konzept der Ganztagsschule spielte die Versorgung mit einem Mittagessen immer eine große Rolle. Schnell wurde die „alte“ Mensa zu klein für die große Anzahl an Schülerinnen und Schülern. Teilweise standen sie mittags bis in die alte Pausenhalle Schlange. Im Mai  1975 wurde dann die „neue“ und heutige Mensa in Betrieb genommen, die  600 Schülern gleichzeitig Platz bietet. Schon seit vielen Jahren versorgt ein sehr aktiver Mensaverein die Gesamtschüler mit abwechslungsreichem Essen.

Spiel- und Sportmöglichkeiten wurden und werden ebenfalls vom Freizeitbereich zur Verfügung gestellt. Ob „bewegte Pause“ oder ein Kickerduell in der Mittagspause – die Schülerinnen und Schüler konnten immer aus einem großen Angebot wählen.

Kultureller Schmelztiegel

Wer irgendwann in seinem Leben mit der GSKi zu tun hatte, wird beeindruckende Aufführungen des Theaterprojektes, Auftritte der Musikklassen und Kostproben der kulturellen Arbeit des Faches „Darstellen und Gestalten“ in Erinnerung haben. Die Gesamtschule Kierspe war immer Ort des kulturellen Lernens. Viele aktive und ehemalige Lehrerinnen und Lehrer haben über das Schulleben hinaus, auch den Kulturbetrieb in Kierspe geprägt. Aus etlichen Schülergenerationen rekrutierten sich erfolgreiche Teilnehmer bei den Wettbewerben „Jugend musiziert“ und „Jugend forscht“. Manch eine spätere Berufswahl war verknüpft mit Erfahrungen, die in der Schule gemacht wurden.

Die Schule der Nation ist die Schule“ – dieses Motto von Willy Brandt hat Bestand bis heute.